Behindert das GEG die Wärmewende?
Herr Kübler, Ihr Unternehmen produziert Heizungen für Hallen. Die machen nur einen kleinen Teil aller Gebäude in Deutschland aus. Warum ist es dennoch wichtig, an dieser Stelle möglichst viel Energie zu sparen?
Richtig, die Hallen machen nur rund 1,5 Prozent der Gebäude in Deutschland aus und fallen daher den meisten Menschen nicht ins Auge. Auch die Politik hat sie bei der Energiewende nicht ausreichend im Blick. Das ist erstaunlich, denn Hallen sind für rund 15 Prozent des Wärmeverbrauchs in Deutschland verantwortlich. An dieser Stelle Energie zu sparen ist also hochrelevant.
Und wie sieht eine energieeffiziente Heizungsanlage für große Hallen aus?
Wir arbeiten seit 1989 mit sehr energieeffizienten Infrarotheizungen. Damals sprach noch niemand sonst vom Energiesparen. Seit dieser Zeit haben wir die Technik natürlich stark weiterentwickelt, digitalisiert und für erneuerbare Energien geöffnet. Der Vorteil von Infrarotheizungen ist, dass man die Wärme wie Licht gezielt genau an die Stellen bringen kann, wo sie benötigt wird, und man sie einfach wieder abschaltet, wenn dort nicht gearbeitet wird. In einer riesigen und hohen Halle macht es Sinn, nur den unteren Bereich zu beheizen, in dem sich die Mitarbeiter aufhalten. Und tatsächlich auch nur dann, wenn dort wirklich gearbeitet wird. Genau das ist mit einer Infrarotheizung möglich. Wenn man, wie bei herkömmlichen und Wärmepumpen- Heizungen, zwangsläufig die ganze Halle heizt, also auch die oberen 80 Prozent, in der sich kein Mensch aufhält, ist das eine gigantische Verschwendung von Energie. Deswegen sind Infrarotheizungen in Hallen in puncto Effizienz zumindest auf Augenhöhe mit Wärmepumpen – meist ist Infrarot sogar überlegen.
Von welchem Einsparpotenzial reden wir?
Mit einer Infrarotheizung kann man in einer großen Halle bis zu 70 Prozent Energie und CO2 einsparen. Das ist unsere Erfahrung aus mehr als 20.000 Projekten, die wir umgesetzt haben. Und was auch wichtig ist: Der Einbau ist im Zuge einer Sanierung sehr einfach und unkompliziert. Die Infrarotheizung ist für Hallengebäude zweifellos die effizienteste Technik, die es gibt – und das bei einer gleichzeitig hohen Gebrauchsfähigkeit.
Mit welchen Energiequellen können Infrarotheizungen arbeiten?
Es ist ganz egal, mit welcher Energiequelle man arbeitet, denn die Infrarotheizung funktioniert mit Strom, Gas und Biogas und mit Wasserstoff, der eine sehr wichtige Energiequelle ist, ohne den die Energiewende nicht funktionieren wird. Unternehmen, die Strom nutzen, können einen großen Teil aus einer Fotovoltaikanlage beziehen. Wenn sie ohnehin 70 Prozent Energie einsparen und dann zusätzlich 50 Prozent aus Sonnenenergie beziehen, können sie aus dem Stand bis zu 85 Prozent CO2-Emissionen sparen. Durch diese unglaubliche Effizienz sind die Kosten des Einbaus der Infrarotheizungsanlage in wenigen Jahren amortisiert. Die Infrarotheizung ist also nicht nur gut für das Klima, sondern auch für die Finanzen der Unternehmen.
Dann hat Ihnen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, der ja federführend die Energiewende betreibt, doch sicher schon ein Dankesschreiben für Ihre Innovation geschickt, oder?
Leider nicht, sondern ganz im Gegenteil. Wir haben eine über Jahrzehnte erprobte, einfache und sehr effiziente Lösung, aber die Politik behindert uns, anstatt uns zu unterstützen. Das von den Grünen geleitete Bundeswirtschaftsministerium setzt voll auf die Wärmepumpe. Anstatt Unternehmen wie uns, die viel Erfahrung und Wissen haben, proaktiv in die Entscheidungen miteinzubeziehen, hat man einfach mit einer gehörigen Portion Ideologie und Beratungsresistenz das Heizungsgesetz übers Knie gebrochen, das ausschließlich auf die Wärmepumpe setzt. Sie macht aber nun mal für große Hallen meist keinen Sinn. Jetzt aber schafft man es nicht, einfach einzugestehen, dass das ein Fehler war. Unser System wurde auch von der Förderung durch das Ministerium ausgeschlossen. Stattdessen werden Unsummen für die Förderung der in Hallen viel weniger gebrauchsfähigen Wärmepumpe verschwendet.
Was erwarten Sie von der Politik?
Was wir dringend brauchen, ist eine viel größere Technologieflexibilität. Es wäre Aufgabe der Politik, das Ziel zu definieren, also die Energiewende, aber den Unternehmen, die Erfahrung und Wissen haben, alle Wege dahin offenzulassen. So läuft es aber nicht, und ich befürchte, daran wird sich wenigstens in dieser Legislaturperiode, vermutlich aber sogar in diesem Jahrzehnt, nichts mehr ändern. Eine Folge dieser Politik ist, dass fast alle Heizungshersteller auf Kurzarbeit laufen oder sogar Leute entlassen mussten – Fachkräfte, die möglicherweise für immer verloren sind. Am Ende wird es wieder einmal so sein, dass ausländische Unternehmen das Geschäft machen, obwohl wir hierzulande viel Expertise und gute Lösungen haben. Aber das wird systematisch von der Politik behindert.
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